Mit dem Begriff vom Frieden ist in der geschichtlichen Entwicklung sehr viel Unfug getrieben worden. Ursprünglich war "Frieden" sicher ein ungeheuer aktiver Begriff, der jedoch im Laufe der Zeit einen Besänftigungscharakter erhalten hat. Wenn man Krieg und Kampf auf die Bewusstseinsebene überträgt und damit die äußeren Kriege vermeidet, dann hat man einen positiven Zustand von Frieden erreicht. Der Ideenkrieg mit sich selbst wäre der eigentliche wünschenswerte Frieden.

Ich kann nur sagen, wenn ich diese vielen Zeichnungen nicht gemacht hätte, hätte ich auch die politische Arbeit nicht machen können. Ich glaube, dass ich auch ganz falsche Begriffe in meinem Kopf herumwälzen würde, wenn ich diese Arbeit nicht gemacht hätte. Ich halte diese Zeichnungen immer noch für eine der wichtigsten Sachen, die ich überhaupt gemacht habe, denn diese ganzen Versuche oder Experimente in der Zeichnung sind für mich ein unendlich wichtiger Apparat.

Ich werde einfach sagen: Wenn ihr wollt, dass im Bundestag einmal einer seinen Mund aufmacht und das, was ihr für wünschenswert haltet, auch beim Namen nennt, dann könnt ihr mich wählen. Ich werde das versuchen, so gut ich das kann. Ich bekenne mich absolut dazu, dass ich alles aus der Kunst herleite: das werde ich den Wählern auf der Straße sagen, dass der Begriff der Politik so schnell wie möglich eliminiert werden muss und ersetzt werden muss durch die Fähigkeit des Gestaltens, durch die menschliche Kunst. Ich will nicht Kunst in die Politik hineintragen, sondern die Politik zur Kunst machen.

Akademien, die eine Persönlichkeit vom Range des Joseph Beuys nicht verkraften können, haben zweifellos das Recht verwirkt, Lehrstätten der Jugend zu sein. Wenn hier keine neuen Ideen erprobt werden können, wo sonst?

Es muss klargemacht werden: je distanzierter und hermetischer die Ereignisse auf der Bühne vorgeführt werden, desto klarer und vernünftiger kann der Zuschauer diese Abstrakta auf seine eigene Situation draußen konkretisieren. Wenn ihm aber alles schon fertig, konkret, als Inhalt vorgeführt wird, wird ihm die wichtige Arbeit der Konkretisierung weggenommen, und er buht.

Durch Recherchen und Analysen kam ich zur Erkenntnis, dass die beiden Begriffe Kunst und Wissenschaft in der Gedankenentwicklung des Abendlandes diametral entgegenstehen, dass aufgrund dieser Tatsachen nach einer Auflösung dieser Polarisierung in der Anschauung gesucht werden muss und dass erweiterte Begriffe ausgebildet werden müssen.

Ich will ja nicht zur magischen oder mythischen Welt zurück, sondern ich will an Hand dieser Bilder Geschichtsanalysen betreiben, also ein geschichtsanalytisches Element zum Bewusstsein bringen.

Aber mir lag nicht daran, die Logik weiterhin einseitig anzusprechen; mir lag daran, dass alle im Unterbewusstsein vorhandenen Residuen aufgebrochen und in Form eines chaotisch lösenden Vorgangs regelrecht in Turbulenz versetzt werden, denn der Anfang des Neuen findet stets im Chaos statt.

All meine Aktionen - seien sie nur bildnerischer oder begrifflicher Art - liegen in Form von Bildern Begriffe menschlicher Grundkräfte zugrunde. Beispielsweise die Kraft der Selbstbestimmung, die die ursprüngliche Form von Kreativität ist. Bei all meinen Aktionen wird das Publikum aktiv herangezogen, wobei eine soziale Architektur erreicht wird. Eine Gesellschaftsordnung wie eine Plastik zu formen, das ist meine und die Aufgabe der Kunst. Sofern der Mensch sich als Wesen der Selbstbestimmung erkennt, ist er auch in der Lage, den Weltinhalt zu formen.

Der Hase hat direkt eine Beziehung zur Geburt. Für mich ist der Hase das Symbol für die Inkarnation. Denn der Hase macht das ganz real, was der Mensch nur in Gedanken kann: er gräbt sich ein, er gräbt sich einen Bau. Er inkarniert sich in der Erde, und das allein ist wichtig. So kommt er bei mir vor.

Mit Honig auf dem Kopf tue ich natürlich etwas, was mit Denken zu tun hat. Die menschliche Fähigkeit ist nicht, Honig abzugeben, sondern zu denken, Ideen abzugeben. Dadurch wird der Todescharakter des Gedankens wieder lebendig gemacht. Denn Honig ist zweifellos eine lebendige Substanz. Der menschliche Gedanke kann auch lebendig sein. Er kann aber auch intellektualisierend tödlich sein, auch tot bleiben, sich todbringend äußern etwa im politischen Bereich oder der Pädagogik.

Beuys Zitate tw. gekürzt aus: Joseph Beuys, Leben und Werk, v. Götz Adriani, Winfried Konnertz, Karin Thomas, DuMont Buchverlag Köln. Für die Kunstvermittlung im MuMoK Wien ausgewählt und zusammengestellt von Mag. Christiane Wustinger.