Joseph Beuys wurde 1921 in Krefeld geboren und lebte bis 1986. Er gilt als einer der bedeutendsten Künstler und Kunstphilosophen des 20. Jahrhunderts.

Sein ganzes Leben hat er plastisch verstanden, als Denkplastik, Sprachplastik, Hörplastik und soziale Plastik. Seine Werke sind im Grunde nur Nebenprodukte seiner Überlegungen. Sie werden im Allgemeinen der Kunstrichtung „Fluxus“ zugeordnet - „fließend“ im Zusammenhang mit einem zeitlichen Ablauf gesehen, hinterlassen oberflächlich keinen besonderen Eindruck - ja, sie sehen in keinerlei Weise bedeutend aus.

Um das bildnerische Werk von Joseph Beuys zu verstehen, muss man Hintergrundinformationen einholen. Sein Leben teilte sich in verschiedene Abschnitte mit persönlich bedeutenden Ereignissen, welche ihm als Quelle der Inspiration dienten und Denkprozesse in Gang setzten, wobei naturwissenschaftliche Aspekte ebenso wie Kriegserlebnisse miteinbezogen wurden. Materialien wie Fett und Filz sind ebenso aus seiner Biographie zu verstehen, wie Margarine eine Erinnerung an seine eigene Kindheit darstellt.

Hinter seinen Arbeiten stecken geheime Botschaften, welche man herausfinden kann, sofern man sich die Zeit nimmt, Zusammenhänge zu enträtseln.

Katharina Sepiol

Seine Zeichnungen und Aquarelle sind anders als das, was man gewohnt ist, jedoch beabsichtigt, da sie eher Skizzen sind als fertige Kunstwerke. Joseph Beuys hatte sehr interessante Ansichten zu Kultur und Zivilisation, wobei er bewusst machen wollte, mehr auf Natur und Umwelt zu achten. Seine Kunst sollte zum Umdenken anregen.

Tobias Eist

Es fällt die Skizzenhaftigkeit der ausgestellten Zeichnungen auf. Es ist schwer, Beuys künstlerisches Werk zu verstehen, weil er weit ins Abstrakte seines Denkens eingetaucht ist.

Maria Peham

Joseph Beuys vertrat die Ansicht, dass jeder Mensch ein Künstler ist. Was man beim Rundgang durch die Ausstellung nicht vergessen durfte, nämlich über Person und Leben ausreichend informiert zu sein, ist Voraussetzung dafür, seine Bilder deuten zu können. Vor allem persönliche Erlebnisse wurden auf diese Weise von ihm künstlerisch verarbeitet.

Alina Wachauf

Als Gymnasiast interessierte er sich für Naturwissenschaften und Bildhauerei. Im Zweiten Weltkrieg wurde er zum Sturzflugbomber ausgebildet. 1943 wurde er über Russland abgeschossen und überlebte, weil er von Nomaden schwer verletzt gefunden und mit Fettsalben und Filzverbänden gepflegt wurde. Fett und Filz blieben bevorzugte Materialien in seiner späteren künstlerischen Arbeit.

Die Joseph Beuys Retrospektive hat mir nicht gefallen. Es waren Papierfetzen ausgestellt, die man normalerweise wegwerfen würde, beschmierte Kalenderseiten, unvollständige Skizzen, Zeichnungen von menschlichen Figuren in völlig falschen Proportionen. Für mich ist Kunst etwas, was nicht jede(r) kann. Fettflecken auf einem Papier und ein Loch dazu – das kann sogar ein Kindergartenkind.

Cornelia Pech

Die Vorstellung, dass physisches und psychisches Material gleichermaßen plastisch formbar wäre, brachte ihn auf die Idee der „sozialen“ Plastik. Joseph Beuys verstand Gemeinschaft, Gesellschaft und Politik „plastisch“. Er studierte die Anthroposophie Rudolf Steiners, um die Pädagogik zu reformieren, die Gesellschaft zu verändern, und erweiterte damit seinen Kunstbegriff. In seinem Verständnis für ein Gesamtkunstwerk setzte er Kunst und Leben gleich.

In der Ausstellung hatte ich den Eindruck, dass Joseph Beuys ein psychisch gestörter Mensch war. Seine Zeichnungen und Objekte sind zu abstrakt, sodass man wenig darauf erkennen kann, alles unfertig und zu verschmiert.

Kathi Weiss

Joseph Beuys zählt zu den berühmtesten Künstlern der Nachkriegszeit. Seine Popularität zu Lebzeiten lässt sich nicht nur auf seinen Kunststil zurückführen. Sein Engagement beschränkte sich nicht nur auf Kunst, sondern dehnte sich auf soziale, ökologische und politische Probleme aus. So verglich er die Gesellschaft mit einer Plastik, die verformbar und veränderbar wäre. Kurzfristig war er als Professor an der Kunsthochschule, dann auch als Politiker tätig. Er erweiterte den Kunstbegriff, indem er über das Materielle hinaus Hören, Fühlen und Gedanken „plastisch“ in sein Werk miteinbezog.

Denise Weisi

Joseph Beuys wurde von seinen Anhängern verehrt, doch von den wenigsten tatsächlich verstanden. Wir sahen Zeichnungen und Collagen, wie Klebearbeiten aus einem Kindergarten. Vieles ist als Verarbeitung seiner Erlebnisse zu verstehen, so gesehen ist jeder Mensch ein Künstler - die Frage ist nur, ob diese Kunst auch andere interessiert?

Seine Bekanntheit erlangte Joseph Beuys aufgrund seiner idealistisch liberalen Ansichten, die allerdings im Museum nicht diskutiert wurden. Die Zeichnungen und Ausstellungsobjekte allein konnten mich nicht begeistern. Ein Blatt Papier mit Loch und Fettfleck hätte einen Bilderrahmen nicht verdient.

Matthias Scheer

Sein Interesse für Naturwissenschaften fand sich in seinen Projekten wieder. Ein Kunstobjekt fiel mir sehr positiv auf, es war der Tisch mit der Formel für die Seife aus der Installation Basisraum nasse Wäsche, ein Beispiel für die Verbindung zwischen Kunst und Denken. Das wohl markanteste Ausstellungsstück war die verbrannte Tür mit Hasenohren und Vogelskelett.

War Beuys ein Künstler? Eher ein Rebell, der das Kunstverständnis komplett verändern wollte! Seine Idee von der Plastik, dass alles im Leben formbar wäre, ist zwar revolutionär, aber wahrscheinlich unmöglich durchzusetzen. Doch mir gefällt dieser Gedanke, er kommt meiner Wahrnehmung und meiner Art zu denken sehr nahe.

Markus Pravlovsky

Für manche Leute ist Joseph Beuys ein großer Künstler und interessanter Mann. Nach Überwindung einer tiefen Depression hielt er viele Vorträge über Chemie und Biologie, war Fan von Seife, Fett und Filz.

Tanja Györik

Joseph Beuys war ein Mensch, der die Politik und die Gesellschaft sehr kritisch sah. Er entwickelte Vorstellungen und Utopien, die sehr weitreichend waren, und erklärte Gesellschaft und Leben zur Kunst. Fett, Filz und Seife waren Materialien, die ihn sehr interessierten. Eine wichtige Rolle in seinen Aktionen spielte der Hase, der das Leben, die Fruchtbarkeit und das Nomadentum symbolisierte. Man musste Joseph Beuys gesehen und gehört haben, um seine Kunst zu verstehen.

Julia Glatzl

„Fluxus“ ist eine erweiterte Kunstform mit Theaterelementen – Performance, im Unterschied zum Happening ohne Beteiligung des Publikums. Vielleicht war Beuys ein Mann voller Ideen, aber mich konnte er nicht einfangen!

Clara Schrittwieser

Wenn das jeder machen würde, hätten wir sehr viele Künstler auf der Welt!

Marie-Theres Stallecker

Die verkohlte Tür könnte vielleicht noch als Kunst durchgehen, weil sich dahinter eine Geschichte verbirgt. Die nasse Wäsche ist auch amüsant.

Mona Ernst

Die Fettflecken und Seifenreste gaben zu denken. „Jeder Mensch ist ein Künstler“ sagte Joseph Beuys. Fett, Filz und tote Hasen. Fluxus ist der Übergang von Kunst zum Leben.

Sadegh Schafasand

Plastik kann man mit dem Mund sprechen, mit den Augen sehen und im Kopf denken. Plastik ist physisches und psychisches Material, das formbar ist: „Ich will nicht Kunst in die Politik hineintragen, sondern die Politik zur Kunst machen.“

Mathylda Matyaszczyk

„Kunst ist, wenn man trotzdem lacht“ sagte der Künstler Joseph Beuys, der sich für Naturwissenschaften und Rudolf Steiners Theorien begeisterte, von seinen Anhängern verehrt, von den wenigsten verstanden.

Daniel Braun

Seine Kunstwerke sind Produkte von Alltagsunfällen. Zeitungspapier mit drei Farbstreifen darauf, das könnte mir genau so passiert sein…

Astrid Kahler

„Ungewöhnlich“ ist eine recht gute Umschreibung. Ich habe darüber nachgedacht, was „Kunst“ bedeutet. Interessant waren die ausgestellten Zeichnungen von Joseph Beuys schon, ich erinnere mich an das Bild „Kopf mit Unterbewusstsein“, das ich aus irgendeinem Grund beeindruckend gefunden habe. Wo Beuys ist, ist Akademie. Akademie ist die Welt. Kunst ist Leben, ist Plastik, ist soziale Plastik. Der Hase ist ein heiliges Tier im alten Ägypten, seit dem Mittelalter auch abendländisch-christliches Symbol der Auferstehung - für Joseph Beuys steht er für Geburt, Inkarnation und Erde.

Angelika Frank