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Der Einführung des Schulversuches Ethik im Jahre
1997/98 ging eine breite öffentliche Diskussion voraus. Von sehr positiven
Äußerungen bis zu kritischen Stimmen reichten die Argumentationen. Es
wurden aber auch viele Befürchtungen (einseitiger Ideologieunterricht,
Konkurrenz zum konfessionellen Religionsunterricht u.a.) laut und manche
Kritiker sprachen von Wertepluralismus, Werterelativismus und Werteverlust
der Jugendlichen durch den Ethikunterricht. Mittlerweile sind 10 Jahre vergangen und es hat sich einiges geändert bezüglich der Einstellung zu diesem Fach. Einerseits ist der Zugang pragmatischer geworden, andererseits sind so manche unbegründete Befürchtungen nicht eingetreten und an Stelle der manchmal sehr emotional geführten Auseinandersetzung ist ein sachlicher Diskurs getreten. An unserer Schule hat sich der Ethikunterricht zu einem wesentlichen und wichtigen Beitrag innerhalb des allgemeinbildenden Fächerkanons entwickelt. Das beweist auch die hohe Akzeptanz des Ethikunterrichtes von Seiten der Schüler/Innen, des Kollegiums und der Eltern. Diversen Befürchtungen konnte in vorausschauender Weise durch die sehr kompetente Leitung von Herrn Dir. Dr. Braunstein entgegen gewirkt werden. Es wurden von ihm Rahmenbedingungen geschaffen, die zur Zufriedenheit aller beigetragen haben und eine überaus kollegiale Zusammenarbeit ermöglichten. Im Rahmen der Reifeprüfung haben heuer die Maturanten/Innen ein fachlich fundiertes Wissen bewiesen, das überaus kritisch präsentiert wurde. Sie haben Kompetenz in Sachfragen, eine hohe ethische Reflexionsfähigkeit und persönliche kritische Meinungsbildung gezeigt. Dr. Anita Kitzberger Ausgangspunkt für den Ethikunterricht ist die Lebenswelt der SchülerInnen, in der sie mit unterschiedlichen Sinnangeboten, Orientierungen und Lebensperspektiven konfrontiert sind. In der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen weltanschaulichen, kulturellen und religiösen Traditionen bietet der Ethikunterricht einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung im individuellen Orientierungsprozess der SchülerInnen und soll die Bereitschaft stärken Verantwortung für das eigene Leben, für das Zusammenleben mit anderen in sozialen, ökonomischen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Verhältnissen zu übernehmen. Der Einführung der ersten Schulversuche Alternatives Pflichtfach Ethik gingen sehr kontroverse Diskussionen und Befürchtungen (Demontage des Religionsunterrichtes, Werterelativismus, Werteverfall, u.a.) voraus. In den letzten sechs Jahren ist es etwas ruhiger geworden. Die Zahl der Schulstandorte in ganz Österreich hat sich mittlerweile auf über 100 erhöht und der Ethikunterricht ist im Schulalltag zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Entsprechende Lehrpläne, Unterrichtsmaterialien und ein österreichisches Lehrbuch sind bereits vorhanden. Auch ein begleitender Akademielehrgang für die Ausbildung der LehrerInnen ist eingerichtet worden und die vom Ministerium vorgeschriebene Evaluierung der Schulstandorte im Jahre 1999/2000 durch Univ. Prof. Dr. Bucher (Theologische Fakultät Salzburg) hat kurz zusammengefasst folgende positiven Ergebnisse gebracht:
Die Voraussetzungen sind also geschaffen, trotzdem geht die Debatte weiter. Befürchtungen und Ressentiments beherrschen die Diskussion. Politische Entscheidungsträger betonen zwar die Bedeutung und Notwendigkeit der ethischen Bildung für unsere Jugendlichen, politische Entscheidungen diesbezüglich werden aber nicht getroffen. Gerade in einer Zeit, in der traditionelle Wert- und Glaubensinhalte für Jugendliche keine Gültigkeit mehr haben, die Begegnung mit anderen Kulturen zum Alltag gehört, wäre es Aufgabe der Bildungspolitik den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, nicht nur die Wurzeln der eigenen Kultur kennenzulernen, sondern auch von anderen mehr zu erfahren, sich mit dem "Fremden" auseinanderzusetzen. Ein säkulares Fach, wie immer man es auch bezeichnen mag: "Ethik", "Allgemeine Kultur- und Religionskunde", "Lebenskunde und Kultur", "Anthropologie und Ethik" u.a. bietet den Jugendlichen die Möglichkeit der fundierten Auseinandersetzung und Reflexion der eigenen und der fremden Lebenswelt. Ein moderner demokratischer Staat muss auch in der Bildungspolitik einer pluralistischen Gesellschaft Rechnung tragen und sich institutionell dem "Fremden" öffnen. Die Einführung des Ethikunterrichtes als obligatorisches säkulares Pflichtfach wäre bildungspolitisch ein Meilenstein in Österreich. (Dr. Anita Kitzberger)
Der Unterrichtsgegenstand wird zweistündig
bzw. einstündig geführt- analog zur Führung und Eröffnung von Unterrichtsgruppen
laut § 7 a des Religionsunterrichtsgesetzes.
Im ersten Jahrgang 1997/98 besuchten insgesamt
53% der Schüler/Innen der 5. Klassen
den Ethikunterricht. Auch heuer wurden drei weitere Ethikgruppen eingeführt.
Der Schulversuch ist aufsteigend auf vier Jahre bis zur Reifeprüfung
projektiert.
Die unterrichtenden Lehrer/Innen (Fächer
Philosophie, Geschichte, Religion) besuchen begleitend eine entsprechende
Aus- und Weiterbildung am Pädagogischen Institut, wobei verstärkt noch
universitäre Einrichtungen herangezogen werden müssten.
Schwerpunkt der Ausbildung kommt der philosophischen
Ethik zu, wobei im weiteren Sinn auch Sozialphilosophie, Rechts- und
Staatsphilosophie und philosophische Anthropologie zu verstehen sind. Weiters findet jährlich ein österreichweites Vernetzungsseminar für Ethiklehrer/Innen statt. Das neben fundierter Fortbildung ein breites Forum für Erfahrungs- und Wissensaustausch zur Schulversuchsentwicklung bietet. Leitziel
Der Ethikunterricht sollte die Schüler/Innen
befähigen, ausgehend von eigenen und fremden Erfahrungen, die sittlichen
Probleme, die im schulischen und außerschulischen Leben auftreten, zu
erkennen, zu artikulieren und nach allgemein verbindlichen Kriterien
und Verfahren zu bewältigen. Weiters soll der Ethikunterricht zur Entwicklung der Fähigkeit der Schüler/Innen beitragen, die sich angesichts gesellschaftlicher und politischer Konflikte sowie der Verschiedenheit und Konkurrenz von Werten, Normen und Weltanschauungen ergebenden Problemen, allererst zu sehen, sie ihrer sittlichen Struktur nach wahrzunehmen und zu interpretieren und dafür Begründungs- Beurteilungs- und Kritikaspekte nach Maßgabe von Selbstbestimmung und sozialer Verantwortung zu finden. Lernziel Lernziel ist sittliche Reflexion als soziale Kompetenz und darüber hinaus Kenntnisse einiger wichtiger philosophischer und auch religiöser Deutungen des Menschen und der Welt zu vermitteln. Hier wird auf Problemstellungen der philosophischen Ethik (Sozial-, Rechts-, und Staatsphilosophie sowie Anthropologie) zurückgegriffen. Leitthemen Die Hauptgliederung im Lehrplan erfolgt durch Lernfelder, die sich von der 9. bis zur 12. Schulstufe aufsteigend entwickeln:
Evaluation
Der vorliegende Lehrplan ist keine endgültige
Bestimmung, sondern zunächst nur für die Erprobungsphase gültig. Die mit diesem Lehrplan gemachten Erfahrungen, werden nicht nur einer schulpraktischen Analyse und Kritik unterzogen, sondern Ziel ist es auch eine wissenschaftlichen Begleitüberprüfung durchzuführen. Die gewonnenen Ergebnisse aus diesem Schulversuch sollten eine Diskussionsgrundlage für eine allgemeingültige Lehrplanentwicklung bieten und letztlich auch Entscheidungsgrundlage für eine breite politische Diskussion zu Einführung des Ethikunterrichts in das Regelschulsystem darstellen. (Dr. Anita Kitzberger)
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Schulversuch Ethik |
10 Jahre Ethik | SchülerInnenbericht
| Unterrichtsbeispiele | |